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Das Suchtproblem in Deutschland (Bild: Silhouette eines Mannes, der auf einen See blickt) as Suchtproblem in Deutschland

Suchtmittelmissbrauch verursacht enorme Schäden, auf der einen Seite für die einzelnen Abhängigen in ihren sozialen Systemen, auf der anderen Seite für die Gesellschaft und die involvierten Sozialleistungsträger.

In Deutschland leben:

  • 17 Millionen Raucher/innen davon sind 4,3 Millionen tabakabhängig - das durchschnittliche Einstiegsalter ist inzwischen auf 13,6 Jahre gesunken

  • 10,4 Millionen Menschen, die Alkohol riskant konsumieren, davon sind 1,7 Millionen abhängig

  • 415.000 Abhängige illegaler Drogen, davon konsumieren 240.000 Mensche Cannabis; im Jahr 2004 verstarben in Deutschland 1.385 Menschen infolge ihres Rauschgiftkonsums, das ist der niedrigste Stand seit 1989.

  • 1,4 Millionen Medikamentenabhängige, davon sind zwei Drittel Frauen

  • 180.000 beratungs- und behandlungsbedürftige Spieler/innen

Abb.: Die Suchtabhängigkeit in Deutschland
        (Quelle: Jahrbuch Sucht 2006. Hrsg.: Deutsche Hauptstelle
        für Suchtfragen)

Sucht betrifft die ganze Familie und das gesamte soziale Umfeld:

  • 5 bis 7 Millionen Angehörige sind durch die Alkoholabhängigkeit eines Familienmitglieds betroffen.

  • 2 bis 3 Millionen Kinder leben in suchtkranken Familien. 70 Prozent der jungen Abhängigen haben einen suchtkranken Elternteil.

  • Im Jahr 2004 wurden 22.548 Alkoholunfälle mit Personenschaden registriert. Dabei kamen 704 Menschen ums Leben, das sind 12,1 Prozent aller im Straßenverkehr getöteten Verkehrsteilnehmer. Die Unfallursache Alkohol tritt am häufigsten in der Altersgruppe von 21 bis 24 Jahren auf.

  • Ungefähr 25 bis 30 Prozent aller Arbeitsunfälle sind alkoholbedingt. Im betrieblichen Bereich rechnet man mit 5 bis 10 Prozent Mitarbeiter/innen, die alkoholabhängig sind.

  • Mindestens 5,5 Prozent aller Krankenhausbehandlungen sind auf den Konsum von Alkohol allein oder den gemeinsamen Konsum von Alkohol und Tabak zurückzuführen.

  • Jährlich gibt es rund 74.000 Todesfälle durch Alkoholkonsum allein oder durch den Konsum von Alkohol und Tabak. In der Altersgruppe von 35 bis 64 liegt der Anteil der alkoholbedingten Todesfälle bei Männern bei 25 Prozent, bei Frauen sind es 13 Prozent.

  • In Deutschland ist jährlich mit 110.000 bis 140.000 tabakbedingten Todesfällen zu rechnen. Das entspricht 22 Prozent aller Todesfälle bei Männern und 5 Prozent aller Todesfälle bei Frauen.

  • Jedes 250. Kind (2.200 Kinder pro Jahr) wird mit Schädigungen aufgrund des Alkoholkonsums der Mutter während der Schwangerschaft geboren (Alkoholembryopathie).

  • Die Kosten alkoholbezogener Krankheiten (ohne Kriminalität) werden pro Jahr auf ca. 20,6 Milliarden Euro geschätzt.

  • Die Kosten durch tabakbedingte Krankheiten und Todesfälle belaufen sich auf ca. 17,3 Milliarden Euro, das sind 200 Euro pro Einwohner oder 800 Euro pro Raucher.

Leistungen des Suchthilfesystem:

  • Im Es gibt ca. 7.500 Selbsthilfegruppen im Suchtbereich, die jährlich von 120.000 Menschen besucht werden.

  • Im Jahr 2004 bewilligte die Rentenversicherung insgesamt 75.000 ambulante und stationäre Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation Abhängigkeitskranker.

  • Es gibt rund 900 ambulante Beratungs- und Behandlungsstellen für Suchtkranke und ihre Angehörigen. Sie haben im Jahr 2004 rund 147.500 Betreuungen neu begonnen.

  • In den über 100 stationären Suchthilfeeinrichtungen sind 76 Prozent der Patienten männlich. Die männlichen Alkoholpatienten sind im Schnitt 44 Jahre alt, der Altersdurchschnitt der Männer mit opiatbezogener Hauptdiagnose liegt bei 30 Jahren.

  • Etwa 58 Prozent der ambulant und 84 Prozent der stationär Behandelten weisen Abhängigkeit oder schädlichen Gebrauch von Alkohol als Hauptdiagnose auf.

  • Bei Alkoholpatienten dauert die stationäre Behandlung im Schnitt 12,2 Wochen, bei Opiatpatienten 13,4 Wochen

  • Rund 25.900 Menschen haben ihre Behandlung in den stationären Einrichtungen im vergangenen Jahr regulär beendet.

  • Bei planmäßiger Beendigung wurden im ambulanten Bereich 52 Prozent der Alkohol- und 29 Prozent der Opiatpatienten als erfolgreich eingestuft, im stationären Bereich waren es 74 Prozent bzw. 57 Prozent.

Alle Zahlen stammen aus folgender Quelle:
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hrsg.): Jahrbuch Sucht 2006, Geesthacht 2006. (Neuland Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3 – 87581-260-3

 

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Milliardenschäden durch Alkoholmissbrauch

Ärzte Zeitung, 16.06.2003

Berliner Wissenschaftler haben versucht, Kosten für medizinische Behandlung und Arbeitsunfähigkeit zu berechnen.

BERLIN. Alkoholmissbrauch in Deutschland: Lassen sich die entstehenden Kosten überhaupt berechnen? Die Datenlage ist schwierig, Dennoch haben sich Dr. Kerstin Horch und Dr. Eckardt Bergmann in einer Studie, die als Dissertation am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der FU Berlin eingereicht worden ist, an das Problem herangewagt. Ihre These: Alkoholmissbrauch verursacht in Deutschland volkswirtschaftliche Schäden von jährlich mindestens 20 Milliarden Euro.

Von Hermann Müller

Um welche Kosten geht es, wenn ökonomische Folgen des Alkoholmissbrauchs analysiert werden? Es geht um Ausgaben für die medizinische Behandlung, Arbeitsunfähigkeit, Invalidität und vorzeitige Mortalität. Das sind laut Horch/Bergmann 1,13 Prozent des jährlichen Bruttosozialprodukts (BSP) von 1791,79 Milliarden Euro (2001).

Mit dem jährlichen Pro-Kopf-Konsum von elf Litern reinem Alkohol nimmt Deutschland im europäischen Vergleich eine Spitzenposition ein. Nach einer Studie des Bundesministeriums für Gesundheit sind etwa 1,6 Millionen Menschen behandlungsbedürftige Alkoholiker.

Hinzu komme eine remittierte Alkoholabhängigkeit von 3,2 Millionen Deutschen, so dass insgesamt 4,8 Millionen der 80 Millionen Einwohner einmal in ihrem Leben alkoholabhängig waren. "Die finanziellen Folgen alkoholbezogener Krankheiten für die Gesellschaft wurden in Deutschland bisher nicht analysiert", schreiben die beiden Wissenschaftler und verweisen auf Angaben in der Literatur, die zwischen fünf und 50 Milliarden Euro schwanken.

In ihrer Analyse haben Horch/Bergmann unter anderem Sterbetafeln, Todesursachenstatistiken, Krankendiagnosestatistiken (Statistisches Bundesamt), die Arbeitsunfähigkeitsstatistik (Bundesministerium für Gesundheit) und die Reha-Statistik (Verband der Deutschen Rentenversicherer) und die Versorgung von Alkoholkranken im niedergelassenen Bereich ausgewertet und durch eigene Berechnungen ergänzt. 

Von den durch einen übermäßigen Alkoholkonsum verursachten Folgeschäden entfallen 7,9 Milliarden Euro auf direkte Kosten: 1,9 Milliarden Euro auf die stationäre Versorgung von jährlich etwa einer halben Millionen Menschen (für Suchtentwöhnung und medizinische Betreuung), 1,6 Milliarden Euro auf die ambulante medizinische, psychosoziale Behandlung (einschließlich Medikamente) sowie Sachschäden unter Einfluss von Alkohol von 1,95 Milliarden Euro.


Der größere Teil der Folgeschäden von 12,7 Milliarden Euro geht auf indirekte Kosten zurück. Dazu gehören etwa eine vorzeitige Mortalität (sieben Milliarden Euro), Frühberentung (3,1 Milliarden Euro) und Arbeitsunfähigkeit (1,3 Milliarden Euro). Der volkswirtschaftliche Verlust durch vorzeitige Todesfälle in Höhe von sieben Milliarden Euro entspricht etwa den finanziellen Aufwendungen für die medizinische Betreuung und Behandlung. Hinter diesen Zahlen verbergen sich jährlich 42 000 Tote mit 900 000 verlorenen Lebensjahren und 285 000 verlorenen Erwerbstätigkeitsjahren. Die meisten Patienten befinden sich im mittleren Lebensabschnitt. 

In ihrer Studie stießen die Berliner Forscher auf einige wichtige Aspekte. Da Männer häufiger als Frauen zum riskanten Alkoholkonsum neigen und gleichzeitig höhere Durchschnittseinkommen erwirtschaften, verursachen sie einen Hauptteil der Folgekosten. Männer befinden sich durchschnittlich 14 Tage länger als Frauen in der Rehabilitation - vor allem zur Entwöhnung. Bei der Mortalität sind die Unterschiede besonders groß. Durch verlorene Lebens- und Erwerbstätigkeitsjahre verursachen Männer jährliche Folgekosten von 6,1 Milliarden Euro, Frauen dagegen 850 Millionen Euro.

Ein riskanter Alkoholgenuss findet vor allem im mittleren Lebensalter statt. Am meisten konsumieren die etwa 50-Jährigen, Raucher mehr als Nichtraucher und in höheren sozialen Schichten wird mehr Alkohol getrunken als in unteren. Als Folge der Alkoholsucht registrieren die Betriebe Fehlzeiten von jährlich 18,9 Millionen Tagen, das sind 3,8 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage. Im Osten ist die Zahl der Fehltage bei Frauen deutlich höher. Der Grund: eine höhere Erwerbstätigkeit.

FAZIT:
Die Ermittlung der Folgekosten des Alkoholmissbrauchs ist aufgrund der Datenlage schwierig. Während die Todesursachenstatistik ausreichend differenzierte Informationen enthalte, so Hoch/Bergmann, sei die Datenlage bei der Morbidität "wesentlich schlechter". So fehlten häufig Angaben zu Altersgruppen, Geschlecht und Region. Vor allem in der Unfallversicherung fehlten zuverlässige Daten. Bei den Folgeschäden von jährlich 20 Milliarden Euro müsse man daher von einer "unteren Schätzung" ausgehen, so die Wissenschaftler. (HML)

Copyright © 1997-2003 by Ärzte Zeitung


Suchtprobleme in Deutschland (Bild: Gesundheitskosten, Tabelle)

Weitere Berichte dazu:

Kosten alkoholassoziierter Krankheiten -  Schätzungen für Deutschland
(2002, 147 S., 1,4 MB-pdf) ISBN 3-89606-136-4

Kosten alkoholassoziierter Krankheiten, Robert Koch-Institut
Dr. Eckard Bergmann und Dr. Kerstin Horch (2002, 50 S, pdf)

Milliardenschäden........
 

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